Ein Interview mit Frau Eva Faenger, Inclusion & Diversity Manager bei Hewlett Packard Enterprise

Frauenkarrieren brauchen strategische Allianzen mit einflussreichen Männern

Frauenkarrieren brauchen strategische Allianzen mit einflussreichen Männern

Frau Faenger, Ihr Unternehmen führt seit Jahren das Feld der Top-Arbeitgeber für Frauenkarrieren an. Was machen Sie anders als andere?

Jedes Unternehmen hat hier sicher seine eigene Erfolgsformel. Für uns gilt: man muss dranbleiben, Ausdauer zeigen, eine gewisse Zähigkeit an den Tag legen und darf sich vor allem nicht entmutigen lassen. Erfolgsentscheidend sind daher die folgenden vier Aspekte: Ent-Emotionalisierung, Konzentration und Ernsthaftigkeit, Ausdauer und Unternehmenskultur. Im Zentrum müssen die Fragen „warum“ und „wozu“ stehen. Viele verstehen noch nicht, dass wir ohne die Frauen die digitale Transformation nicht stemmen werden.
Dabei geht es nicht um Quoten, Feigenblätter, Frauenthemen, sondern es geht um unsere Zukunft. Dazu brauchen wir mehr als hektischen Aktivismus und guten Willen.
Es geht darum, Strukturen zu schaffen und gleichzeitig ein Umdenken in den Köpfen anzustoßen. Das alles passiert bei uns aber sehr dosiert. Wir geben uns Zeit. Es geht nicht um Zählen, Messen und Wiegen. Es geht um einen Veränderungsprozess, der sicherstellt, dass Frauen nicht nur in den Führungsetagen ankommen, sondern auch dortbleiben. Zudem stellen wir uns die Frage: haben wir das richtige kulturelle Umfeld? Das ist im Kern ein Plädoyer für Veränderung und hilft enorm, einen offenen Dialog zu führen, Dinge einfach mal auszuprobieren und echte Mehrwerte zu schaffen.

Inwieweit kann die Digitalisierung den Grundstein dafür legen, Aufstiegschancen für Frauen zu verbessern? Wo ist da der konkrete Zusammenhang?

Frauenkarrieren spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle, eine entscheidende, wenn es nach einigen Harvard-Professoren geht. Oft vergisst man, dass die Veränderung, die die Digitalisierung mit sich bringt, ja nicht allein technischer Natur ist. Der größte Kraftakt ist die kulturelle Veränderung. Immer schnellere Entwicklungszyklen, neue Geschäftsmodelle, Wertewandel, mehr Eigenverantwortung, das alles stellt hohe Anforderungen an die Veränderungsfähigkeit von Unternehmen. Das Fördern von Frauenkarrieren stellt den Status Quo in Frage, bricht mit tradierten Denkmustern, öffnet festgefahrene Strukturen und macht den Weg frei für die notwendigen Veränderungen.
Die Aufstiegschancen für Frauen sehe ich dabei insbesondere an der Schnittstelle zum Kunden. Es geht immer weniger um das Produkt selbst, sondern um eine mit Kunden und Partnern gemeinsam entwickelte Lösung. Die Aufgaben werden vielschichtiger, soziale und kommunikative Kompetenzen werden wichtiger. Gerade hier sind die Stärken der Frauen ganz besonders gefragt. Wer das ausklammert, verspielt seine digitale Zukunft.

Das muss doch den Entscheidern auch einleuchten, die stets beteuern: „Wir suchen Frauen, aber finden keine.“ Woran hakt´s Ihrer Meinung nach immer noch?

Das ist eine Aussage, die ich auch oft gehört habe. Und dies nicht ganz zu Unrecht. Karriere braucht immer eine klare Entscheidung. Für uns ist klar: Frauen wollen Verantwortung übernehmen. Was ihnen oft fehlt, ist der Mut, die dafür notwendigen Schritte konsequent zu gehen. Deshalb setzen wir dort an, wo sich der Weg in eine Führungslaufbahn entscheidet – in der Praxis. Für unsere Mitarbeiterinnen mit Führungspotenzial haben wir z.B. die Workshopserie „Female Talents Explore Leadership“ ins Leben gerufen. Die Frauen lernen hautnah, worauf es als Führungskraft ankommt, welche persönlichen Entscheidungen sie treffen müssen und wo sie aktiv gefordert sind. Mentoring Programme vertiefen diese Erfahrung.

Also liegt es an den Frauen selbst, die sich für eine Führungskarriere intern noch deutlicher in Stellung bringen müssen?

Nein, das wäre zu einfach. Die Gründe liegen in einem Mix aus Angst vor dem Verlassen der Komfortzone, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, fehlender Zugang zu den entscheidenden Netzwerken und tradierte Denkmuster, wie beispielsweise „Think manager think male“. Daher braucht es neben der Entscheidungsklarheit und Ermutigung vor allem strategische Allianzen mit einflussreichen Männern. Oft schaffen es führungswillige Kandidatinnen nicht aus eigener Kraft in Führungspositionen, obwohl sie alle sachlichen und persönlichen Voraussetzungen mitbringen. Mangelnde Sichtbarkeit, unzureichende Vernetzung mit Entscheidern und wenig ausgeprägte Aufstiegskompetenzen sind entscheidende Hindernisse. Genau dies adressiert unser Female Sponsorship Program. Das Programm öffnet Türen, macht weibliche Führungstalente sichtbar und sorgt dafür, dass sie bei der nächsten Chance zum Zuge kommen. Gewollter Nebeneffekt: die Sponsoren erleben hautnah, wo es klemmt.

Reden wir zum Schluss noch über den Frauen-Karriere-Index. Was glauben Sie, warum haben sich managementrelevante Messinstrumente wie der FKI bisher noch wenig in der Wirtschaft durchgesetzt?

Hier kann ich nur spekulieren. Aber ich denke, Machtverlust und Angst, die Männer zu verprellen, spielen hier sicherlich eine Rolle. Ich persönlich finde Initiativen wie den FKI sehr wichtig. Der FKI gibt uns ein Instrument an die Hand, das uns dabei unterstützt, Karriere-Entwicklung in einer digitalen Arbeitswelt gerecht und innovativ zu gestalten.“

Liebe Frau Faenger, wir danken Ihnen für das Gespräch.