Mehr Frauen in Führung ist machbar

Mehr Frauen in Führung ist machbar

86, 76, 89. Diese Zahlen stehen für die Gesamtergebnisse 2015 dreier namhafter Unternehmen, die sich am Frauen-Karriere-Index beteiligt haben. Keine schlechten Werte! Denn die Zahlen verraten, wie erfolgreich das betreffende Unternehmen dabei ist, qualifizierte Frauen in Führungspositionen zu bringen und dort zu halten. Die Ergebnisse, die am 26.01. im Rahmen einer Fachkonferenz öffentlich vorgestellt wurden, sind noch weit von Idealmaßen entfernt. Doch sie zeigen die Richtung.

Der Frauen-Karriere-Index (FKi) begleitet seit 2012 namhafte Unternehmen auf dem Weg zu mehr Frauen in Führungspositionen. Er unterstützt sie aktiv beim Erreichen der individuellen Zielgrößen. Dazu liefert die Indexierung branchenübergreifende, neutrale und sachliche Ergebnisse sowie überprüfbare und messbare Zahlen. Die Teilnehmer lernen, welche Strategien und Maßnahmen in der Praxis erfolgreich sind und zu einer messbaren Qualitätssteigerung und mehr Effizienz führen.

Damit stellt der Frauen-Karriere-Index eine umfassende Wissensdatenbank dar, die zeitliche Vergleiche erlaubt und Trends und Erfahrungen abbildet. Eine valide Benchmark für alle Unternehmen. Von 2012 bis jetzt haben sich insgesamt 133 Unternehmen indexieren lassen. Schon durch die aktive Teilnahme konnten interne Hürden abgebaut, die Chancen fairer verteilt und der Weg zu mehr echter Gleichberechtigung geebnet werden.

Um bei Fakten und Zahlen zu bleiben: Zur Veröffentlichung waren 78 hochkarätige Gäste aus Vorstandsetagen, Geschäftsführung, Personalwesen und Kommunikation in der 18. Etage von Bloomberg L.P. erschienen, darunter 67 weibliche und 11 männliche Führungskräfte aus den Branchen Banken, Versicherungen, Telekommunikation, Technik, Industrie und Behörden.

Mit Blick über die Skyline begrüßten Angela Cullen, German Bureau Chief bei Bloomberg, und Barbara Lutz, Gründerin des FKi, die Gäste. Barbara Lutz hob hierbei besonders die Unternehmen hervor, die sich teilweise bereits zum dritten Mal an der Erhebung beteiligen. Auch übermittelte sie das Grußwort der Frau Bundesministerin Manuela Schwesig mit dem besonderen Schwerpunkt auf der Würdigung der Unternehmen.

U. Bernhardt, R. Swift (Getty Images)

U. Bernhardt, R. Swift (Getty Images)

U. Braun (Komma), C. Herrmann (Komma), A. Roeglin (Intel Corporation)

U. Braun (Komma), C. Herrmann (Komma), A. Roeglin (Intel Corporation)

A. Cullen (Bloomberg)

A. Cullen (Bloomberg)

B. Lutz (FKi)

B. Lutz (FKi)

    GETTY IMAGES – LOOK AT HER

    Nach kurzer Vorstellung des Programms begann Key Note Speaker Rebecca Swift, Director Creative Planning bei Getty Images, mit ihrem Vortrag. Unter dem Titel „Look at Her“ dokumentierte sie anhand von Suchbegriffen und visuellen Topsellern den Wandel von Frauenbildern in Werbung und Medien.

    In ihrer Zusammenarbeit mit Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook Inc., entstand eine neue Bilddatenbank, die den gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung trägt. In der „Lean-in Collection“ werden Frauen aus dem wahren Leben gezeigt: natürlich, vielfältig, glaubhaft und selbstbestimmt. Weg vom stereotypen Rollenbild der vergangenen Jahrzehnte. Sie hob die Tatsache hervor, dass diese modernen Interpretationen weltweit sehr häufig gekauft und eingesetzt werden. Ein Erfolg, der alle überrascht hat.

    Übrigens: Für die Bilddokumentation der FKi-Veranstaltung  war ebenfalls eine Frau aus dem Hause Getty Images verantwortlich: die Fotografin Hannelore Förster.

    ERGEBNISSE FRAUEN-KARRIERE-INDEX 2015

    Gegen 15 Uhr wurde es spannend. Barbara Lutz präsentierte die aktuellen Ergebnisse der 4. Welle. Ihre Botschaft: Mit dem Instrument Index ist es möglich, Kerntreiber der Frauenförderung auszumachen. Diese sind: Struktur/Dynamik (Strukturdaten und Frauenanteil in Führungsebenen), Commitment (Personalentwicklung, Kommunikation und Maßnahmen) und Rahmenbedingungen (Unternehmensleitlinien, Transparenz und Flexibilisierung). Auch diese detaillierten Zahlen erhebt der Frauen-Karriere-Index und schafft damit die sachliche Grundlage für mehr Transparenz, Objektivität und Kontinuität in der Frauenförderung.

    Trotz allem Engagement sind heute die Aufstiegschancen von Frauen noch immer nur halb so groß wie die der Männer, aber mit deutlich steigender Tendenz in den Ebenen C und B. Selbst engagierte Unternehmen schaffen nur ca. 1 % Wachstum bei Frauen in Führungspositionen im Jahr. „Drei Jahre Forschung haben deutlich gemacht: Das Thema ist langfristig und langwierig. Erfolgreiche Unternehmen planen für den Marathon und nicht den Sprint. Konstanz und Durchhalten ist gefragt.“ – so das Fazit von Barbara Lutz.

    Aber es gab Lichtblicke. Gerade die Unternehmen, die zum dritten und vierten Mal an der Erhebung teilgenommen haben, konnten deutliche Verbesserungen erzielen und eindrücklich zeigen, dass sich dauerhaftes Engagement bei der Förderung von Frauen und Karrieren auszahlt. So gelang es diesen Unternehmen vermehrt, hochqualifizierte Frauen in Toppositionen zu halten bzw. diese Frauen bei ihrer Karriereplanung aktiv zu unterstützen. Als hervorragende Tools zur Erreichung dieser Ziele haben sich zum Beispiel der Aufbau und das bewusste Management eines Talentpools bewährt.

    In der anschließenden Panel-Diskussion berichteten die Teilnehmer und Redner vor allem über Erfahrungen aus der eigenen Praxis. Angelika Gifford, GF von Hewlett-Packard, sieht zum Beispiel den „Wirtschaftsfaktor Frau“ als eine unverzichtbare Größe auf dem Arbeitsmarkt. Sie hat ihre Karriere zielstrebig geplant und glaubt, dass ihre skandinavischen Chefs und ihr US-amerikanischer Arbeitgeber sie dabei in besonderem Maß unterstützt haben.

    Bei einem Frauenanteil von 70 % bei Kao Germany & Switzerland ist Karin Overbeck noch die einzige Frau im Topmanagement. Ihr Credo: Sie bespricht mit jeder Frau, die bei Kao eingestellt wird, ob diese Potenzial für Führungsaufgaben besitzt. Außerdem rät sie ehrgeizigen Kandidatinnen, Partnerschaft und Familie schon frühzeitig auf die berufliche Laufbahn auszurichten.

    Dr. Elke Frank, Leitung HR-Development bei der Deutschen Telekom, gab einen hervorragenden Einblick in das Telekom-Personalmanagement und dort umgesetzte erfolgreiche Maßnahmen.

    „Mit unserem ‚Supervisory Board Readiness Program‘ wollen wir noch mehr Kandidaten für Aufsichtsratsmandate fit machen. Vielfalt ist uns dabei sehr wichtig. Nachdem wir in 2015 mit dem Pilotprogramm bereits 29 Frauen für die Übernahme internationaler Aufsichtsratsmandate qualifiziert haben, startete im Herbst ein Folgeprogramm, an dem auch Männer partizipieren. Dies wird sehr begeistert aufgenommen und bestätigt unser Engagement, den Nachwuchspool hinsichtlich Geschlechter, Generationen und Internationalität divers zu gestalten.“

    Weiterhin diskutierten auf der Bloomberg-Bühne Barbara Lutz von FKi und als einzig männlicher Vertreter Dr. Inigo Natzel, Corporate Vice President HR der Symrise AG, welcher die Notwendigkeit von Maßnahmen insbesondere in ländlichen Gebieten hervorhob und bei Unternehmen mit ähnlicher Situation große Zustimmung fand.

    Wie am Ende jeder Erhebungswelle wurden nach dem Vortrag alle teilnehmenden Unternehmen gewürdigt. Sie erhielten die FKi-Auszeichnung, eine Urkunde mit dem erreichten Gesamtindex, als Würdigung und Ermutigung. Und nicht zuletzt als klares Zeichen für engagierte und talentierte Bewerberinnen.

    AUSGEZEICHNET WURDEN DIE PLÄTZE 1–3

    Größte Verbesserung des Index seit 2012

    1. Miele & Cie. KG + 14
    2. Consorsbank + 11
    3. Berliner Wasserbetriebe +10
    4. Intel Corporation +10

    Beste Unternehmen 2014 nach Wert Gesamtindex

    1. Hewlett-Packard GmbH 89
    2. Deutsche Telekom AG 88
    3. HypoVereinsbank 85
    4. Intel Corporation 85

    Das kritische und fachkundige Publikum, das viele Fragen stellte und Beiträge lieferte, war sich am Ende der Veranstaltung einig: Der Frauen-Karriere-Index ist ein ausgesprochen hilfreiches, flexibles Instrument für Unternehmen, um die Lernkurve zu steigern und für erstklassige Frauen interessanter zu werden. Denn die Gewinnung, Auswahl und Entwicklung von exzellenten Fach- und Führungskräften ist entscheidend für die Zukunft und den Erfolg deutscher Unternehmen. Die Bedeutung des Index unterstreicht zudem die Tatsache, dass der FKi von 2012 bis 2014 vom Familienministerium gefördert wurde und Frau Bundesministerin Manuela Schwesig für dieses Jahr wieder die Schirmherrschaft übernommen hat.